Anlegen unter Motor
Aus Segelpedia
Bei Anlegemanövern unter Motor ist es irrelevant, ob es sich um ein "echtes" Motorboot oder um einen Segler, der eben unter Motor manövriert, handelt. Einen spürbaren Unterschied aber macht es, ob eine oder zwei Schrauben arbeiten. Durch gezielte Gegenläufigkeit der beiden Props kann das Schiff leicht in jede gewünschte Position gedreht werden. Mit einer einzigen Schraube erfordert das schon etwas mehr Geschick, um z.B. den Radeffekt in seine Überlegungen einzubeziehen. Auch der vorherrschende Wind ist ein zu berücksichtigende Grösse, wenn das Manöver gelingen soll.
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... längsseits
Oft will man kurz danach (z.B. nach dem Tanken) wieder ablegen. Man sollte in diesem Fall schon beim Anlegen berücksichtigen, dass das auch ordentlich geschehen kann!
Die "schöne" Seite: legt man den Retourgang ein, so zieht der Radeffekt das Heck zur Mole. Die "ungünstige" Seite: eben die andere, Radeffekt zieht Heck seewärts!
Zunächst gilt es zu überlegen: woher kommt der Wind.
- a) Längs der Mole (Steg): dreh den Bug in den Wind (auch wenn du dadurch nicht an der "schönen" Seite anlegst).
- b) Auflandig: Leg so an, dass du beim Wegfahren genug Raum hast!
- c) Wenn nur wenig oder ablandig: Das Wegfahren wird kein Problem, leg so an, dass du den Radeffekt ausnützt!
Das eigentliche Manöver: Fender an der Anlegeseite anbringen, Vorleine anbringen. Falls man nicht von Land her serviciert wird: Ein Mann mit der Vorleine am Vorschiff bereit zum an Land springen. Man fährt in einem spitzen Winkel langsam an die Mole (Steg) heran. Ist der Bug weniger als 1m entfernt, wird der Retourgang eingelegt, Mann setzt über und fixiert raschest die Vorleine. Im Fall c) lässt man den Radeffekt arbeiten, andernfalls nur ganz kurz abstoppen, Leerlauf, und den Wind arbeiten lassen! Heckleine über und fixieren. Das "Schönmachen" der Leinen (z.B. auf Slip legen) kann jetzt nachgeholt werden.
... mit dem Heck zur Pier
Für dieses Anlegemanöver braucht man jemanden auf der Mole (Pier). Ist kein freundlicher Helfer dort (Marinero), so muss eben eine(r) vom Schiff vorzeitig raus, um dort die Leinen zu übernehmen. Ein Wort noch zum Leinenwerfen: Es ist eine grobe Unsitte, ein Riesenknäuel dem da draussen hinzuwerfen, das der erst mal entwirren muss, dann (womöglich in Überlänge) durch einen Ring o.ä. zu fädeln hat, um es schliesslich bereinigt zurückzuwerfen. Es ist die verdammte Pflicht des Skippers, seine Leute auch diesbezüglich einzuschulen und evt. üben zu lassen! Es ist ja doch einiges zu bedenken, was dem Neuling (und solche stehen ja oft am Heck als Leinenwerfer) einfach beizubringen ist:
- Den Palstek über die Reling, also von a u ß e n an die Klampe.
- Die Leinen schon am Schiff bereinigen. Überlängen bleiben an Deck liegen, der Werfer nimmt nur soviel Schlaufen in die Hand, als aufgrund der Entfernung zum Übernehmer erforderlich ist.
- Die Schlaufen liegen so in der Hand, dass sie sich beim Werfen aufrollen (vorher eben üben!).
... auf Anker
Hier ist Augenmaß gefragt, und zwar betrifft das die Länge der Ankerkette. Das SOLL (mindestens 3 mal Tiefe) ist allgemein bekannt, dazu noch ca. 5m zum "Einfahren" des Ankers. Wieweit das von der Mole entfernt IST, muss man eben abschätzen. Dort sollte man das Schiff zum Stillstand bringen. Die Mittschiffslinie jedoch nicht pfeilgenau im rechten Winkel zur Mole, sondern um ca 30° (je nach Schiffstyp) versetzt, die der Radeffekt bereinigt! Anker auf Grund fallen lassen, Retourgang, Radeffekt wirkt jetzt, Kette geben, soviel die Rückwärtsfahrt erfordert, Heckleinen übergeben, Ankerkette nachjustieren (Anker "einfahren"). Das Einfahren des Ankers noch vor derm Fixieren der Heckleinen bringt mit schöner Regelmäßigkeit ein Versetzen der Mittschiffsachse um ca. 30%, was zu hektischen Abfenderungs-Aktivitäten führt!
