Anlegen unter Segel
Aus Segelpedia
Inhaltsverzeichnis |
... an einer Boje
DAS Standard Anlegemanöver für Jollen. Auf halbem Wind in Lee der Boje soweit fahren, dass man mit einem Aufschiesser bis an die Boje herankommt. Die Kunst dabei ist, den Aufschiesser so zu berechnen, dass das Boot neben der (in Lee liegenden) Boje zum Stehen kommt:
- Bei starkem Wind wird das Boot in der Auslaufphase stark gebremst. Daher muss die Halbwind-Kurslinie dicht an die Boje heranführen.
- Bei Leichtwind wird die Auslaufphase relativ schwach gebremst. Trotz geringerer Geschwindigkeit ist die Auslaufphase deshalb länger. Der Halbwindkurs kann also weiter in Lee der Boje verlaufen als bei Starkwind.
Steht ein Crewmitglied zur Verfügung, so geht dieses rechtzeitig zum Bug vor und greift die Boje. Ein Solo-Segler muss das zwangsläufig selbst tun.
Das gleiche Manöver kann natürlich auch von Yachten durchgeführt werden. Dabei liegt die Schwierigkeit im Allgemeinen beim Aufnehmen der Boje. Meist ist der Arm des aufnehmenden Crewmitglieds zu kurz - also muss der Bootshaken her. Hat der die Boje am Ring gefasst, aber die Auslaufphase des Schiffes ist noch nicht beendet, so ist er nicht mehr zu halten. Schadenfroh grinsen dich Boje und Bootshaken in seltener Einigkeit nun aus der Entfernung an! Dagegen hilft folgender Trick:
In eine nicht schwimmende Leine wird ein kleiner Palstek geknotet. Durch den wird der andere Tampen gesteckt, sodass sich eine Art Lasso-Schlinge bildet. Nun kommt der freie Tampen (von aussen natürlich!) an die Klampe. Mit dem Bootshaken wird die "Lasso-Schlinge" gehalten und über die herankommende Boje gelegt. Und schon kann Meldung gemacht werden: "Mamma, die Boje hamma!"
... am Steg
Anlegen an einem Steg unter Segel ist für Jollen besonders ratsam. Bei einem schweren Schiff ist die Gefahr, den Steg zu rammen, natürlich vorhanden, aber mit etwas Übung geht dies nicht komplizierter als unter Motor - reine Erfahrungssache.
Mit dem Bug voraus
... wird das Manöver praktisch genauso gefahren, wie das Anlegen an einer Boje. Weil aber der Wind nicht immer im rechten Winkel vom Steg her weht, ist die letzte Bootslänge oft mit einer kleinen Kurskorrektur verbunden. Die Segel sollen dabei frei killen, um nicht wieder Fahrt aufzunehmen. Letztlich geht der Vorschoter (falls man keinen hat, muss man eben das Steuer verlassen) in Luv zum Bug, um die Leine zu übernehmen / übergeben / befestigen.
Falls man aus Platzgründen gezwungen ist, in Luv des Steges anzulegen, so sind die Segel rechtzeitig vorher zu bergen! Den Rest darf man dem Wind überlassen.
Längseits
... anzulegen hat nur Sinn, wenn der Wind parallel zum Steg pfeift. Er würde das Boot ja ohnehin in diese Richtung drehen. Man fährt in spitzem Winkel an, stellt sich in geringer Entfernung vom Steg (etwa 1m) in den Wind und hält die Gross seeseitig back. Das nimmt die Fahrt aus dem Boot und drückt es sachte (auf einer Jolle hat man ja meist keine Fender) an den Steg.
... in einer Box
... bei ablandigem Wind
- Vorleine vorbereiten.
- Heckleinen vorbereiten: a) Klampe, b)Palstek. Länge der Leine so, dass das Schiff bis an den Steg auslaufen kann.
- Aufschiesser zwischen die beiden Pfähle derart, dass der Auslauf bis an den Steg reicht.
- Den Palstek zumindest einer der vorbereiteten Heckleinen im Vorüberfahren über den Pfahl legen (stoppt das Schiff).
- Vorleine am Steg festmachen. Dieser Arbeitsgang sollte nicht misslingen, weil sonst das Schiff durch den Wind achteraus oder sogar quer getrieben wird.
... bei auflandigem Wind
... bei Querwind
... mit dem Heck zur Pier
auch besser bekannt als 'römisch-katholisch anlegen', da vornehmlich in südlichen Regionen so angelegt wird - aber seltenst unter Segel.
Der Bug des Schiffes wird entweder an einer Mooring, an einem oder zwei Dalben (Pfähle) oder mittels eines oder zweier Anker fixiert, dann stellt man beide Segel 'back', um rückwärts zu segeln - bis der Steg oder die Pier erreicht wird - dort wird das Heck seitlich mit Leinen an Land fixiert. Ein Manöver für Könner!
... mit der Segelyacht
... anlegen ist nicht schwierig, wenn man sich entsprechend vorbereitet und das Schiff ausreichend beherrscht. Für die ersten Versuche oder in unbekannten Häfen empfiehlt es sich, die Maschine in Standby mitlaufen zu lassen, damit man im Notfall nachsteuern kann.
- Die richtige Vorbereitung
sieht dermassen aus, dass man sich als erstes über den anzulaufenden Hafen informiert, z.B. im Hafenhandbuch, und dabei feststellt, welche Liegeplätze aufgrund der Windrichtung und des Tiefgangs überhaupt denkbar sind. Als nächstes werden die Leinen vorbereitet. An jeder Ecke des Bootes - die Spitzgatter mögen mir verzeihen - wird eine Leine aufs Ende gelegt und befestigt, dann aufgeschossen und so bereit gelegt, dass sie schnell greifbar ist. Des weiteren werden die Fender bereitgelegt, bei breiten Booten in einem Boxenhafen besser noch nicht rausgehängt, sondern innerhalb der Seereling fertig zum raustreten hingelegt.
- Das Manöver
bedarf dann hauptsächlich viel Ruhe und starker Nerven - beim Einlaufen in den Hafen muss die Geschwindigkeit so reduziert werden, dass das Schiff noch steuerbar ist, aber nicht in den ersten Steg einschlägt. Hierbei kann man gut die Geschwindigkeit reduzieren, in dem man im Hafenbecken oder im Vorhafen ein paar Kreise dreht, bis das Schiff langsam geworden ist. Nach Bergen des Großsegels wird unter Fock ein freier und passender Liegeplatz gesucht, und die Fock dann rechtzeitig losgeworfen, dass das Boot mit seinem Rest-Schwung an den Liegeplatz kommt. Es spricht nichts dagegen, etwas zu langsam zu sein - JEDES Boot lässt sich mit Leine oder durch einfaches Wegdrücken von Pfählen, anderen Booten oder dem Steg entspannt manövrieren (zumindest mit einer 40-Fuß-Luffe war das noch nie ein Problem). Wichtig ist, nicht gleich die Nerven zu verlieren, sondern frühestmöglich die bereitliegenden Leinen als ersten Fixpunkt an einen Pfahl, Poller oder ein anderes Schiff zu bringen. Mittels der übrigen Leinen wird dann dann Schiff in die optimale Liegeplatzposition gebracht - geschafft!
Mit einer Rollfock geht das ganze natürlich noch schöner, da diese sich auf Hafenfahrt verkleinern lässt - andererseits ist eine Rollfock natürlich eine erhebliche Schlechterstellung des Bootes gegenüber einzelnen Segeln, die viel besser an die jeweilige Wind-Situation angepasst sind.
